Warum ich Avicenna lese
Warum ich den Kanon lese
Eine Beobachtung ist nur so viel wert, wie über die Umstände bekannt ist, unter denen sie gemacht wurde.
Seit der lateinischen Übersetzung des 12. Jahrhunderts war der Kanon der Medizin in Montpellier und in Oberitalien im Lehrplan geführt; die Trennung ist jünger als das gemeinsame Lehrbuch.
⟨KANON-STELLE — LATEINISCHER WORTLAUT, AM PRIMÄRDRUCK ZU VERIFIZIEREN⟩
⟨KANON-STELLE — ÜBERSETZUNG, FREIGABE ERST NACH BIBLIOGRAFISCHER PRÜFUNG⟩
Dieselbe Ordnung heißt heute anders: Aufwachversuch, Atemversuch, Schmerztherapie vor Sedierung, Delirscreening, Frühmobilisation, Einbeziehung der Angehörigen — das ABCDEF-Bündel. Es ordnet die Umstände, bevor es den Fall beurteilt.
Auch der Maßstab hat sich nicht geändert: Behandeln ohne verstandene Ursache ist kein Wissen. Es ist eine Entscheidung unter Unsicherheit, und sie ist als solche zu benennen.
Was der Kanon nicht sagt, wiegt genauso schwer. Er trägt keine Lehre, die heute anwendbar wäre, keine Heilung und keine Aussage über einen Ausgang. Er wird hier als Haltung zum Fall gelesen, nicht als Therapiequelle.
Die Antwort, die üblicherweise dagegen zitiert wird
⟨PARACELSUS UND DAS VERBRANNTE BUCH — DATUM UND MOTIV VOR DER FREIGABE BIBLIOGRAFISCH ZU VERIFIZIEREN⟩